31. August 2026

In Europa ist Dürre längst keine Ausnahme mehr – und schon lange nicht mehr nur ein Thema des Südens. Wasser wird zunehmend zum Standortfaktor für die Industrie, doch sein wirtschaftlicher Wert unterscheidet sich von Region zu Region. Es gibt viele technologische Wege zu mehr Wassereffizienz in industriellen Prozessen – welcher davon der richtige ist, hängt jedoch auch vom Standort, vom Energiebedarf und weiteren Faktoren ab.
Wasser ist erstaunlich günstig – solange es verfügbar ist. Über Jahrzehnte behandelten viele Industrieunternehmen in Europa eine verlässliche Wasserversorgung wie jede andere grundlegende Infrastruktur: unverzichtbar, aber weitgehend selbstverständlich.
Das hat sich geändert. Wasser ist kein abstraktes Umweltthema mehr; es beeinflusst, wo Unternehmen investieren und produzieren. Die Zahlen zeigen zugleich, dass Einsparungen allein das Problem nicht lösen werden. Nach Angaben der Europäischen Umweltagentur (EEA) sind die Süßwasserentnahmen in der EU zwischen 2000 und 2023 um 14 Prozent zurückgegangen. Dennoch ist die von Wasserknappheit betroffene Fläche seit 2010 nicht kleiner geworden; die Lage hat sich verschärft, weil höhere Temperaturen die Verdunstung erhöhen und Niederschläge weniger berechenbar werden.
Wasser ist heute kritische Infrastruktur – es prägt Standortentscheidungen und beeinflusst die Wettbewerbsfähigkeit. Wird Wasser knapp, wird Produktion schwieriger. Sind aufwendige Aufbereitung oder Entsorgung erforderlich, steigen die Kosten. Und wenn kommunale Infrastruktur an ihre Grenzen stößt, zahlen nicht nur Unternehmen die Rechnung, sondern auch die Menschen, die dort leben.
In Europa ist das keine abstrakte Zukunftsfrage mehr. Im Jahr 2023 waren 28 Prozent der EU-Fläche und 32 Prozent der EU-Bevölkerung in mindestens einem Quartal von Wasserknappheit betroffen. Im langfristigen Durchschnitt betrifft saisonaler Wasserstress etwa 30 Prozent der EU-Region und ein Drittel ihrer Bevölkerung. Und er endet nicht hinter den Alpen.

Die Zahlen zeigen jedoch auch, warum eine einheitliche europäische – geschweige denn globale – Lösung für Wasserknappheit nicht ausreicht. Ein Liter Wasser hat im spanischen Andalusien einen anderen wirtschaftlichen Wert als in Dänemark, wo mehr Niederschlag fällt. Ebenso stellt ein Lebensmittelhersteller andere Anforderungen an Wasserqualität und Hygiene als ein Chemiewerk oder ein Bergbaubetrieb. Und Kommunen blicken anders auf Wasser als Industrieanlagen, obwohl beide dieselbe Infrastruktur nutzen.
Diese Unterschiede prägen den Alltag jeder Branche. Vergleicht man sie jedoch miteinander, zeigt sich ein weiteres Muster: Viele grundlegende Prozessschritte ähneln sich, auch wenn die Rahmenbedingungen unterschiedlich sind. Wasser muss getrennt, gereinigt, gemessen, zurückgewonnen oder wiederverwendet werden. Genau darin liegt die Stärke von GEA: branchenübergreifend mit Kunden zusammenzuarbeiten und bewährte Strategien sowie Prozesswissen von einem Kontext auf den anderen zu übertragen.
Dr. Stefan Pecoroni, Vice President of Sustainability, Process Technology & Innovation, Business Line Separation bei GEA, rät Produzenten, sich zwei zentrale Fragen zu stellen: Wo genau drückt beim Wassermanagement an einem bestimmten Standort der Schuh – bei der Knappheit, den Kosten, der Abwasserbehandlung, der Regulierung oder dem Energieverbrauch? Und: Wo lässt sich mit einer einzelnen Maßnahme die größte Wirkung erzielen?

Wasser wiederzuverwenden erfordert Pumpen, Reinigen, Filtern oder Aufbereiten – und damit Energie. Je stärker Unternehmen sich geschlossenen Kreisläufen annähern, desto wichtiger wird es, Investitionen in Wassereinsparung im Verhältnis zu Energieverbrauch, Betriebsaufwand, CO₂-Emissionen, Kosten, Risiken und den regulatorischen Anforderungen einer bestimmten Branche und eines bestimmten Standorts zu bewerten.
Wo Wasser knapp oder teuer ist, kann diese Abwägung klar für Wiederverwendung sprechen. Andernorts lautet die entscheidendere Frage nicht, welche Technologie am meisten Wasser spart, sondern welche Lösung unter den jeweiligen lokalen Bedingungen den größten nachhaltigen Nutzen bringt.
Dr. Stefan Pecoroni
Vice President of Sustainability, Process Technology & Innovation, Separation Business Line, Division Pure Flow Processing, GEA
Ob eine Strategie oder Technologie zum Wassersparen grundsätzlich funktioniert, ist selten die größte Hürde. Pilotprojekte gibt es genug. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, aus einem erfolgreichen Versuch einen neuen industriellen Standard zu machen. Tatsächlich ist die Skalierung weit mehr eine Managementaufgabe als eine Technikfrage.
In der Milch- und Getränkeindustrie zählen Wasserverbrauch, Reinigung und Abwasser längst zu den klassischen Stellschrauben für mehr Effizienz – die Ergebnisse fallen jedoch sehr unterschiedlich aus.
Zwei Molkereien haben ihr Ziel, den Wasserverbrauch deutlich zu senken, mit Berechnungen erreicht, die genau auf ihre jeweilige Ausgangslage zugeschnitten waren: SalzburgMilch betrachtete die kombinierten Kosten für Frisch- und Abwasser, die Molkerei Ammerland optimierte einen bestehenden Prozess. In beiden Fällen tragen die Einsparungen zugleich unmittelbar zu den Nachhaltigkeitszielen der Unternehmen bei.

Bei SalzburgMilch spart eine GEA Centrifuge Water Saving Unit pro installierter Einheit jährlich rund 1,26 Millionen Liter Wasser. In die Investitionsrechnung flossen die Kosten für Frisch- und Abwasser ein. Daraus ergab sich eine Amortisationszeit von etwa drei Jahren.
„Die Aussichten waren von Anfang an vielversprechend“, sagt Alexander Niedermüller, Leiter Instandhaltung bei SalzburgMilch. Nach der ersten Installation bestellte die Molkerei drei weitere Einheiten. Zusammen sollen sie jährlich mehr als fünf Millionen Liter Wasser einsparen.

Bei der Molkerei Ammerland wurden Wassereinsparungen ohne neue Hardware erzielt. Stattdessen wurde der bestehende Membranreinigungsprozess mit der digitalen Lösung GEA Smart Filtration CIP and Flush optimiert. Das Tool steuert über Pulsieren die den Pumpen zugeführte Energiemenge und überwacht während der Reinigung die Wasserqualität. Sobald sämtliche Reinigungsmittel entfernt sind, beendet es den Prozess. Dadurch sinkt der Wasserverbrauch um 48 Prozent und der Stromverbrauch während der Reinigung um 77 Prozent. Bei jährlichen Einsparungen von rund 180.000 Euro amortisiert sich die Investition in weniger als zwei Jahren.
„Die Ergebnisse übertreffen unsere Erwartungen bei Weitem“, sagt Armin Tjards, Produktionsleiter der Molkerei Ammerland.
2022 verbrauchte das deutsche verarbeitende Gewerbe insgesamt 5,15 Milliarden Kubikmeter Wasser, allein 3,08 Milliarden Kubikmeter davon entfielen auf die chemische Industrie. Die Zahlen zeigen, wie groß der Wasserverbrauch ist – und wie unterschiedlich er zwischen den Branchen ausfällt.
Die größte Wirkung entsteht dort, wo bewährte Verfahren branchenübergreifend zum Einsatz kommen. Beim Wassersparen wird jedoch nach wie vor überwiegend in Silos gedacht.

Molkereien und Brauereien befassen sich in der Regel intensiv mit Wasserkreisläufen, Reinigung und Wiederverwendung sowie mit Möglichkeiten, den Wasserverbrauch zu senken. Wirtschaftlicher und marktseitiger Druck erfordert weitere Innovationen, um eine noch größere Wirkung zu erzielen.
Andere Branchen stehen vor ganz anderen Herausforderungen: In der chemischen Industrie wird Wasser in großen Mengen als Prozess- und Kühlmedium eingesetzt. In der Pharmaindustrie können strenge Reinheits- und Sicherheitsanforderungen sowie Wirkstoffrückstände eine Wiederverwendung erschweren. Im Bergbau kann ein Abwasserstrom zur doppelten Ressource werden, wenn sich neben dem Wasser auch wertvolle Rohstoffe zurückgewinnen lassen. Das kommunale Wassermanagement wiederum optimiert nicht einzelne Produktionslinien, sondern muss Versorgung und Entsorgung für ganze Regionen sicherstellen.
Dabei sind die grundlegenden Prozessschritte überall gleich: trennen, reinigen, aufbereiten, messen, Kreisläufe schließen. Was sich unterscheidet, sind Stoffströme, Qualitätsanforderungen, regulatorische Vorgaben und wirtschaftlicher Druck. So lässt sich etwa das Know-how zu Aufbereitung und Wiederverwendung aus der Lebensmittelindustrie auf pharmazeutische Prozesse übertragen, sofern die Reinheitsanforderungen es zulassen. Und Aufbereitungstechnologien, mit denen im Bergbau Wasser und Rohstoffe zurückgewonnen werden, lassen sich ebenso in der chemischen Industrie nutzen, wo ähnliche Trennprozesse gefragt sind.
GEA arbeitet genau an dieser Schnittstelle und überträgt seine Expertise in Trenn-, Reinigungs- und Aufbereitungstechnologien auf die Milch-, Brauerei-, Chemie-, Pharma- und Bergbauindustrie.
Dr. Stefan Pecoroni
Vice President of Sustainability, Process Technology & Innovation, Separation Business Line, Division Pure Flow Processing, GEA
Die EU verknüpft Wassersicherheit inzwischen ausdrücklich mit Wettbewerbsfähigkeit und industrieller Resilienz. Bis 2030 soll die Wassereffizienz in Europa um mindestens zehn Prozent steigen.
Für die Industrie heißt das nicht, den Wasserverbrauch um jeden Preis zu minimieren. Es heißt zu wissen, wo Wasser in welcher Qualität benötigt wird, wie es sich zurückgewinnen lässt – und ob die Gesamtbilanz aus Wasser, Energie, Infrastruktur und lokalen Gegebenheiten am Ende noch aufgeht.
Denn letztlich geht es bei Wassereffizienz nicht nur darum, möglichst wenig zu verbrauchen. Entscheidend ist, die richtige Menge Wasser am richtigen Ort einzusetzen – mit dem größtmöglichen Nutzen für das Unternehmen, die Umwelt und die Gemeinschaften, die dieselbe Ressource nutzen.