Kurs halten: Im Gespräch mit GEAs Chief Sustainability Officer
2. Juni 2025

Dr. Nadine Sterley, Chief Sustainability Officer, GEA (Bild: GEA)
In einem sich wandelnden politischen und wirtschaftlichen Umfeld hält GEA Kurs. Wir haben mit Dr. Nadine Sterley, Chief Sustainability Officer bei GEA, darüber gesprochen, wie Nachhaltigkeit bei GEA strategisch verankert ist, welche Fortschritte das Unternehmen bei seinen ambitionierten Zielen macht – und wie GEA den Wandel konkret gestaltet.
Ist Nachhaltigkeit in der aktuellen politischen Lage noch eine tragfähige Geschäftsstrategie?
Nadine Sterley: Meine klare Antwort lautet: Ja. Die jüngsten politischen Entwicklungen haben die Debatte über unternehmerisches Nachhaltigkeitsengagement zwar verstärkt, aber an den Grundprinzipien hat sich nichts geändert. Nachhaltigkeit bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Geschäftsstrategie – und das aus mehreren Gründen.
Erstens: Nachhaltigkeit eröffnet wichtige Geschäftschancen. Unsere Technologien und Lösungen sind darauf ausgelegt, den Einsatz von Energie, Wasser und anderen Ressourcen in den Produktionsprozessen unserer Kunden zu reduzieren. Damit erzielen sie messbare Kosteneinsparungen und weitere betriebliche Vorteile, die sich direkt positiv auf ihre Bilanz auswirken.
Zweitens: Wir halten an unserer globalen Nachhaltigkeitsstrategie fest – auch wenn sich gesetzliche Vorgaben regional unterscheiden und in einzelnen Märkten Anpassungen erfordern können. Dies ändert aber nichts an unserer übergeordneten Ausrichtung, Ressourceneffizienz in den Mittelpunkt zu stellen und voranzutreiben.
Drittens: Unabhängig vom politischen Umfeld tragen wir als globales Unternehmen Verantwortung – und verfügen auch über die nötige Vision, um echten Wandel voranzutreiben. Diese Haltung ist essenziell, um resilientere Gemeinschaften zu fördern – ein wesentliches Element unserer Mission 30-Strategie.
Letztendlich ist Nachhaltigkeit ein entscheidender Treiber unseres Geschäfts. Weil sie Werte schafft: für unsere Kunden, unser Unternehmen und unseren Planeten.
Unabhängig vom politischen Umfeld tragen wir als globales Unternehmen Verantwortung – und verfügen auch über die nötige Vision, um echten Wandel voranzutreiben.
Dr. Nadine Sterley
Chief Sustainability Officer, GEA
Die weltweiten Treibhausgasemissionen und ihre Auswirkungen stellen nach wie vor eine ernste Bedrohung für unseren Planeten dar. Wie kommt GEA bei der Reduzierung seiner direkten und indirekten Emissionen voran?
Wir verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, um die Emissionen in unserer gesamten Wertschöpfungskette zu reduzieren. Die Reduktion unserer eigenen direkten Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2) ist heute gewissermaßen Standard – von verantwortungsbewussten, global agierenden Unternehmen wird das schlicht erwartet. Wir haben diese Emissionen bereits um 58 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2019 gesenkt.
Die eigentliche Herausforderung, die auch bei vielen Stakeholdern besonders im Fokus steht, liegt im Bereich Scope 3. Hier geht es um die indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Auch dort erzielen wir Fortschritte: Seit 2019 haben wir unsere produktbezogenen Emissionen um 33 Prozent gesenkt. Dazu arbeiten wir eng mit unseren Zulieferern zusammen, um vorgelagerte Prozesse zu dekarbonisieren. Vor allem aber optimieren wir unsere Produkte so, dass sie beim Einsatz durch unsere Kunden möglichst wenig Emissionen verursachen. Genau dort liegt der größte Hebel.
Solche Fortschritte entstehen nicht über Nacht. Sie erfordern tiefgreifende Veränderungsprozesse. Das bedeutet: intensive Kommunikation mit Lieferanten und Kunden, Transparenz und ein gemeinsames Verständnis über Ziele und Wege. Es bedeutet aber auch, gemeinsam mit mutigen Partner Neues zu wagen und Pionierarbeit zu leisten – etwa in Leuchtturmprojekten, die zeigen, was heute schon technisch und wirtschaftlich machbar ist.
Die nachhaltigen Lösungen von GEA machen derzeit 41 Prozent des Umsatzes aus. Wie wollen Sie bis 2030 60 Prozent erreichen?
Um unser 60-Prozent-Ziel zu erreichen, verfolgen wir mehrere miteinander verknüpfte Ansätze.
Erstens kommunizieren wir klar den langfristigen Wert von höherer Ressourceneffizienz. Lösungen wie die aus unserem Add Better-Portfolio helfen Kunden dabei, steigenden Energiepreisen, Ressourcenknappheit und betrieblichen Risiken zu begegnen. Dieses Leistungsversprechen machen wir noch greifbarer.
Zweitens orientieren wir uns an den Klimazielen unserer Kunden. Viele stehen unter Druck – von Regulierungsbehörden, Investoren und ihren eigenen Endkunden – und suchen nach Partnern, die sie bei der Dekarbonisierung unterstützen können. Genau hier setzen wir an: Mit GEA NEXUS helfen wir beispielsweise Produktionsprozesse mit Kälte- und Wärmeanforderungen intelligent zu verknüpfen – um Energie zu sparen, Kosten zu senken und Emissionen zu reduzieren.
Drittens spielt der Service eine immer größere Rolle. Wir bündeln unsere digitalen, Service- und Innovationsangebote, um die Lebensdauer unserer Maschinen zu verlängern. Diese integrierten Angebote, einschließlich einfacherer Upgrade-Möglichkeiten, bieten einen erheblichen langfristigen Nutzen und messbare Nachhaltigkeitsvorteile.
Ein Ziel von GEA lautet, dass alle neuen GEA-Lösungen bis 2030 kreislauffähig sein sollen. Was bedeutet das konkret, und können Sie 1-2 Beispiele nennen?
Kreislauffähig zu sein bedeutet, von einem traditionellen linearen Ansatz zu einem zirkulären Ansatz überzugehen. Es geht darum, Produkte von Anfang an mit Blick auf ihren gesamten Lebenszyklus zu entwickeln. Wir verankern Prinzipien des Kreislaufdesigns direkt in unseren Entwicklungsprozess – über das Produktdesign, digitale Tools und passende Serviceangebote.
Wie sieht das in der Praxis aus? Beispielsweise entwickeln wir unsere Maschinen so, dass sie besonders langlebig sind und setzen auf digital gestützte, vorausschauende Wartung, damit sie möglichst lange effizient im Einsatz bleiben. Außerdem verbessern wir das End-of-Life-Management, indem wir Anlagen wie Separatoren zurücknehmen und aufbereiten oder wertvolle Materialien gezielt zurückzugewinnen. So bringen wir echte Kreislauffähigkeit Schritt für Schritt in die Praxis.
Wie fügt sich die neue GEA Foundation in die Nachhaltigkeitsstrategie von GEA ein?
Bei der Nachhaltigkeit geht es nicht nur um die Umwelt – soziale Aspekte sind mindestens genauso wichtig. Beides muss immer Hand in Hand gehen.
Die GEA Foundation stärkt unser gesellschaftliches Engagement, indem sie es systematischer macht. So können wir unsere Ziele noch wirkungsvoller erreichen. Grundlage ist unsere klare Selbstverpflichtung, jährlich ein Prozent des Konzernergebnisses für gemeinnützige Zwecke zu spenden. Die Stiftung hebt unser Engagement auf eine neue Ebene. Inhaltlich konzentriert sie sich auf vier strategische Säulen: die Förderung von Bildung insbesondere in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), die Bekämpfung von Kinderarmut, den Zugang zu grundlegender Infrastruktur wie sauberem Wasser und medizinischer Versorgung – sowie schnelle Hilfe im Katastrophenfall.
Durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen und vertrauenswürdigen Partnerorganisationen stellen wir sicher, dass unsere Unterstützung dort ankommt, wo sie am dringendsten gebraucht wird – und konkret etwas bewirkt.

GEA spendet jährlich 1 Prozent seines Nettogewinns. Die GEA Foundation unterstützt Partner bei Projekten, die weltweit zum Aufbau resilienter Communities beitragen. (Bild: GEA)
Was unternimmt GEA, um ein hohes Engagement der Mitarbeitenden zu gewährleisten? Wie definieren Sie Erfolg in diesem Bereich?
Für uns hat es höchste Priorität, dass unsere Mitarbeitenden engagiert und motiviert sind – das messen wir auch regelmäßig und systematisch. In unserer jüngsten weltweiten Mitarbeitendenbefragung vom März 2025 gaben 82 Prozent unserer Mitarbeitenden an, dass sie GEA als attraktiven Arbeitgeber weiterempfehlen würden. Das ist ein starkes Votum. Besonders erfreulich: Nachhaltigkeit war mit 83 Prozent Zustimmung erneut die am besten bewertete Dimension weltweit – für uns ein wichtiger Indikator für Erfolg.
Echtes Engagement beginnt für mich mit der Sinnhaftigkeit. Unser Unternehmenszweck „Engineering for a better world“ ist ein wichtiger Orientierungspunkt, der es den Mitarbeitenden in allen Funktionen ermöglicht, ihre Arbeit mit einem übergeordneten Sinn zu verknüpfen. Um dieses hohe Engagement aufrechtzuerhalten, kommunizieren wir kontinuierlich unsere Ziele, unsere Fortschritte und wie jede und jeder Einzelne zum großen Ganzen beiträgt.
Wir fördern eine Kultur, in der Menschen das Gefühl haben, dass sie sich weiterentwickeln und etwas bewirken können – nicht nur in ihrer Funktion, sondern auch darüber hinaus. Ein konkretes Beispiel: Alle Mitarbeitenden können einen bezahlten freien Tag pro Jahr nutzen, um sich ehrenamtlich einzusetzen. So leben wir unseren Purpose gemeinsam – ganz praktisch und greifbar.
Unser Unternehmenszweck „Engineering for a better world“ ist ein wichtiger Orientierungspunkt, der es den Mitarbeitenden in allen Funktionen ermöglicht, ihre Arbeit mit einem übergeordneten Sinn zu verknüpfen.
Dr. Nadine Sterley
Chief Sustainability Officer, GEA
Wie würden Sie die bisherige Entwicklung von GEA in Sachen Nachhaltigkeit charakterisieren? Wie hat sich das Unternehmen und seine Kultur verändert?
Ich würde es ganz einfach so beschreiben: Bei uns folgen den Worten Taten. Wir tun, was wir sagen – das ist Teil der pragmatischen Kultur von GEA. Unser Fokus liegt nicht nur auf der Strategie, sondern vor allem auf deren Umsetzung: Wir setzen klare Ziele, definieren Verantwortlichkeiten und berichten transparent über unsere Fortschritte – etwa über den Umsatzanteil nachhaltiger Lösungen.
Was wir erleben, ist eine echte Transformation. GEA blickt zwar auf eine Tradition verantwortungsvollen Wirtschaftens zurück, doch ambitionierte Langzeitziele wie Netto-Null bis 2040 erfordern fundamentale Veränderungen. Wir befinden uns auf einem Weg, der kontinuierliche Anpassungen und tiefgreifenden Wandel erfordert – technologisch, mental und in unseren Arbeitsweisen.
Wir verankern Nachhaltigkeit im Zentrum unserer Geschäftstätigkeit, indem wir sie mit den wichtigsten Kennzahlen verbinden, unsere Mitarbeitenden weiterbilden und unsere Prioritäten neu justieren. Unser Anspruch ist, dass Nachhaltigkeit die täglichen Entscheidungen prägt und definiert, wie wir dauerhaft Werte schaffen.

GEA Sustainability Factbook 2024
Unser Nachhaltigkeits-Factbook für 2024 stellt unsere Strategie und die wichtigsten erreichten Meilensteine vor.