16. März 2026
Orangensaft ist ein Klassiker für jedes Frühstück, doch die Zitrusindustrie ist alles andere als ruhig. Der ausgebildete Ingenieur und Zitrusexperte Rüdiger Flocke von GEA hilft Produzenten dabei, jeden Tropfen zu gewinnen und die sonst vernachlässigte Schale in diesem sich schnell verändernden Markt zu einer echten Einnahmequelle zu machen.


Rüdiger Flocke, Area Sales Manager der Division Pure Flow Processing bei GEA, verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Zitrusverarbeitung.
Orangen wurden einst ausschließlich als frisches Obst gehandelt und wegen ihres intensiven Geschmacks und ihrer Nährwerte hoch geschätzt. Ursprünglich in China angebaut, haben Orangen ihren Weg über zahlreiche Kontinente gefunden. Heute stehen sie im Mittelpunkt einer globalen Industrie. Dank des technologischen Fortschritts trägt die Zitrusindustrie zu einer Vielzahl von Produkten in vielen Anwendungsbereichen bei. Die Geschichte dieser weltweit beliebten Frucht ist an sich schon spannend, doch in den letzten Jahren sind neue Herausforderungen aufgetaucht, die die Zitrusproduktion bedrohen und letztlich verändern. Vor allem der Klimawandel in Verbindung mit der Bedrohung durch einen mikroskopisch kleinen Schädling führten dazu, dass traditionelle Anbaugebiete allmählich an Bedeutung verlieren, während sich anderswo neue Möglichkeiten eröffnen.
Die Auswirkungen des Klimawandels – darunter extreme Wetterereignisse wie Hurrikane, Dürren und Hitzewellen – führen zu erheblichen Ernteeinbußen, insbesondere in Brasilien und Florida. Der Klimawandel öffnet neuen Schädlingen und Bakterien, die unter wärmeren Bedingungen gedeihen, Tür und Tor.

Traditionelle Orangenanbaugebiete wie Spanien, Brasilien und die USA – insbesondere Florida – stehen vor großen Herausforderungen. Die Citrus-Greening-Krankheit, auch bekannt als Yellow-Dragon-Krankheit oder HLB (huánglóngbìng) – ihr chinesischer Name – breitet sich in diesen Regionen so stark aus, dass die globale Karte des Zitrusfrüchteanbaus neu gezeichnet werden muss. Die Krankheit wird durch die asiatische Zitrusblattfliege übertragen, ein winziges Insekt, das Bakterien überträgt. Sie macht die Früchte ungenießbar und zwingt die Erzeuger, infizierte Bäume zu entfernen, da es keine wirksame Behandlung gibt.
Laut Rüdiger Flocke, Ingenieur bei GEA und Veteran in der Zitrusverarbeitung, „hat die zunehmende Häufigkeit von Wirbelstürmen in Florida die dortige Industrie stark beeinträchtigt. Leider haben diese Wetterereignisse die Krankheit im gesamten Bundesstaat verbreitet. Dennoch sagen uns unsere lokalen Partner, dass trotz der Stürme und der Greening-Krankheit die Dürre eine noch größere Herausforderung darstellt.“
Diese Umweltfaktoren haben zu einer weltweiten Verknappung von Orangensaftkonzentrat geführt und die Rohstoffpreise stark in die Höhe getrieben. „Mit Orangensaft ließ sich noch nie schnell und einfach Geld verdienen“, sagt Flocke. „Brasilien hat sich beispielsweise dafür entschieden, seine Orangenplantagen nicht neu zu bepflanzen. Zuckerrohr, das auch zur Herstellung von Biokraftstoff verwendet werden kann, ist für sie eine weitaus widerstandsfähigere Option als Orangenbäume.“ Die globalen Rohstoffpreise spiegeln diese Veränderung wider: Im vergangenen Jahr erreichte eine Tonne Orangensaftkonzentrat einen Höchststand von 7.000 US-Dollar – fast dreimal so viel wie noch vor zwei Jahren.

Doch wo einige aussteigen, springen andere ein, um die Produktionslücke zu schließen. In Nordafrika, insbesondere in Ägypten und Marokko, sowie in Mexiko drängen Produzenten auf den Saft- und Zitrusölmarkt und gewinnen an Boden. Ägypten beispielsweise hat seine Anbauflächen erweitert und dank idealer Wetterbedingungen und einer Fokussierung auf Qualität seine Exporte, unter anderem nach Europa, deutlich gesteigert. Traditionell wurden 90 bis 95 Prozent der Ernte als ganze Früchte auf dem Frischmarkt verkauft. Heute wird ein Teil dieser Menge für die Saft- und Konzentratproduktion verwendet. Diese Verlagerung eröffnet neue Möglichkeiten auf dem Markt – auch für neue Investoren. Mittlerweile haben sich dadurch die Preise auch wieder normalisiert.
Moderne Extraktionsmethoden für Orangensaft wurden in den 1940er Jahren eingeführt. Heute ist die industrielle Verarbeitung von Zitrusfrüchten komplexer, aber zum Glück auch effizienter. Orangen geben ihren Saft und ihr Fruchtfleisch nicht von selbst preis. Das Schälen ist die erste Herausforderung, gefolgt vom Entfernen der weißen, klebrigen, faserigen Schicht. Die orangefarbene Außenhaut, oder Flavedo, ist reich an Bitterstoffen, während die innere Schicht, die Albedo, eine hohe Konzentration an Pektin enthält. Diese beiden natürlichen Schutzschichten erfordern spezielle Verarbeitungstechniken, um eine Orange in trinkbaren Saft zu verwandeln. Für die Herstellung von einer Tonne Orangensaftkonzentrat werden etwa 10 bis 12 Tonnen frische Früchte und mehrere Verarbeitungsschritte benötigt:
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Das Fruchtfleisch von Zitrusfrüchten hat eine ganz besondere Konsistenz, die sogenannte Pülpe ist fließfähig. GEA hat einen Separator (GSI 300 CPR (Constant Pulp Removal)) entwickelt, mit dem das abgetrennte Fruchtfleisch kontinuierlich ausgeleitet werden kann. Je nach Viskosität wird das Fruchtfleisch entweder in den Separator zurückgeführt – um auch den letzten Tropfen Saft zu extrahieren – oder direkt in den Feststofftank geleitet. „Das Ergebnis ist, dass praktisch keine Saftverluste entstehen. Da ein Teil des Stroms kontinuierlich aus der Maschine entfernt wird, verfügt der Separator außerdem über deutlich höhere Durchsatzleistungen als ein Standardseparator“, erklärt Flocke.
Über Saft und Orangekonzentrat hinaus liegt der wahre wirtschaftliche Wert von Zitrusfrüchten in ihren Nebenprodukten. Dabei handelt es sich um die Teile der Frucht, die traditionell weggeworfen würden. Heute bieten diese Bestandteile wertvolle Einnahmequellen und steigern die Rentabilität erheblich. Eines der begehrtesten Nebenprodukte ist das ätherische Öl der Zitrusfrüchte. Es befindet sich in den Öldrüsen der Flavedo – der äußeren Schicht der Fruchtschale. Als gängiger Aroma- und Duftstoff wird das ätherische Öl der Zitrusfrüchte in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Parfümindustrie verwendet.

Ob Orangen-, Grapefruit- oder Zitronenöl – die wertvollen Zitrusöle werden in vielen Branchen eingesetzt, von der Kosmetik bis hin zur Lebensmittelindustrie.
Das Öl wird durch Anstechen oder Abraspeln der Schale und anschließendes Waschen mit Wasser gewonnen. Moderne Verarbeitungssysteme können 75 bis 90 Prozent dieses wertvollen Inhaltsstoffs zurückgewinnen. „Unsere Zentrifuge verwandelt ihn in ein klares und verwendbares Endprodukt. Das Steuerungssystem von GEA – auch als „self-thinker“ bezeichnet – optimiert den Feststoffaustrag im Separator und gewährleistet so eine hohe Zuverlässigkeit und maximale Ölausbeute“, erklärt Flocke. Was macht es so besonders? Das GEA-System öffnet sich automatisch genau zum richtigen Zeitpunkt und vermeidet so bei jeder Entleerung wertvolle Ölverluste, was die Produktqualität sicherstellt. Das gewonnene Öl kann bei niedrigen Temperaturen weiterverarbeitet werden, um Wachse zu entfernen, die die Qualität beeinträchtigen. Angesichts der stark steigenden Preise für Zitrusöle ist dieser Schritt wichtiger denn je geworden.
Da sich der Zitrusmarkt weiterentwickelt, bleibt die Nachfrage hoch. „Getränke auf Zitrusbasis sind bei Verbrauchern weltweit beliebt. Dies und die wachsende Bedeutung von Zitrusfrüchten für Lebensmittelwissenschaftler treiben das beeindruckende Wachstum dieses Marktes voran“, sagt Flocke. GEA ist ein zuverlässiger strategischer Partner mit umfassendem Fachwissen und innovativer Technologie, der traditionellen Zitrusproduzenten und neuen Marktteilnehmern hilft, in diesem dynamischen Markt profitabel zu bleiben.