Innovationsgeist und kontinuierliche Optimierung steigern Erfolg und Nachhaltigkeit von Milchviehbetrieben

Willkommen zurück zum zweiten Teil unseres Interviews zum Thema „Dynamische Milchproduktion“, in der wir einige der Akteure und Faktoren vorstellen, die die Milchproduktion zu einer erfolgreichen und nachhaltigen Zukunft verhelfen. Im ersten Teil machten wir Sie mit GEA Ingenieur Henrik Böttner, der für die Produktentwicklung im Bereich Melk- und Fütterungssysteme bei GEA zuständig ist, sowie mit seinem Kollegen Michael Strotmann bekannt, seinerseits Produktleiter im Bereich konventioneller Melksysteme bei GEA. Sie führten uns vor Augen, warum die Aspekte Innovation, Zusammenarbeit und kontinuierliche Verbesserung so entscheidend bei der Förderung einer nachhaltigen Produktentwicklung sowie einer nachhaltigen Milchviehhaltung sind. Im folgenden Teil steigen wir mit den Kollegen Böttner und Strotmann wieder ins Gespräch ein und erklären anhand einer weiteren GEA Innovation, wie alle drei Faktoren in eine Lösung einfließen konnten. Gemeinsam mit den GEA Experten Gudrun Hauser und Jurgen Steen und stellen wir außerdem auch zwei weitere Schlüssel zur Nachhaltigkeit in der Milchviehhaltung vor – und diese gestalten sich in einer anderen Art.

Ingenieure Henrik Böttner (links) und Michael Strotmann (Mitte)

Im ersten Teil dieses Interviews wurde schnell klar, dass die GEA Ingenieure Henrik Böttner (links) und Michael Strotmann (Mitte) mehr als nur ein paar Beispiele auf Lager haben, wenn es um Innovation und kontinuierliche Verbesserung in der Milchviehhaltung geht (und das ist deutlich mehr, als wir in nur einem Interview ansprechen können). „Wie können wir unsere Lösung noch effizienter, nutzer- und tierfreundlicher machen, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen?" Es stellte sich heraus, dass sie sich diese Frage im Grunde die ganze Zeit über stellen. Und sie wollten sichergehen, dass wir vor allem eine bahnbrechende Innovation erwähnen: Die In-Liner Everything-Technologie von GEA.

Diese Technologie ist ein weiteres Ergebnis von GEAs Ansatz der kontinuierlichen Verbesserung, welche inzwischen standardmäßig in den automatischen Melksystemen DairyRobot R9500 und DairyProQ von GEA eingesetzt wird. Die am Markt konkurrenzlose In-Liner Everything-Lösung ermöglicht alle Schritte des Melkprozesses – Zitzenstimulation, Zitzenreinigung, Vormelken, Melken und Post-Dipping – mit nur einem einzigen Ansetzvorgang pro Zitze. „Bei der Entwicklung von In-Liner Everything verfolgten wir mehrere Ziele“, so Böttner. „Erstens erkannten wir, dass Melkroboter die Zitzenreinigung zwar bereits ziemlich gut beherrschten, aber noch Verbesserungsbedarf bzgl. des prozentualen Anteils der gereinigten Zitzen sowie der Reinigungseffektivität bestand. Zweitens wollten wir den Melkvorgang insgesamt beschleunigen: Der Ansetzvorgang des Roboterarms geschah bislang zweimal – zur Vorbereitung und zum Melken selbst. Das war uns zu ineffizient. Drittens wollten wir beim abschließenden Dippen die Benetzung der Zitze verbessern, um die Kuh besser vor Mastitis zu schützen. Und schließlich wollten wir die Bewegungen unter der Kuh reduzieren, um ein ruhigeres und angenehmeres Melkerlebnis für die Tiere zu ermöglichen.“ Böttner beschreibt In-Liner Everything zwar als nächsten eher logischen Schritt im Entwicklungsprozess, dennoch steckt dahinter eine bedeutende Lösung für kompletten Melkprozess. 

Zu den Vorteilen, die Milchviehbetrieben seit der Einführung des DairyProQ im Jahr 2014 zur Verfügung stehen, gehören eine verbesserte Milchqualität und -menge, ein schnellerer Milchfluss während des Melkens, ein vollständiges Ausmelken aller vier Euterviertel bei gleichzeitiger Vermeidung des Blindmelkens, eine verbesserte Zitzenreinigung und -hygiene sowie eine Minimierung des Dippmittelbedarfs.

BU: Mit der In-Liner Everything-Lösung werden alle Schritte des Melkprozesses – Zitzenstimulation, Zitzenreinigung, Vormelken, Melken und Post-Dipping – mit nur einem einzigen Ansetzvorgang pro Zitze vorgenommen.
BU: Mit der In-Liner Everything-Lösung werden alle Schritte des Melkprozesses – Zitzenstimulation, Zitzenreinigung, Vormelken, Melken und Post-Dipping – mit nur einem einzigen Ansetzvorgang pro Zitze vorgenommen.

Alida Meering und ihr Partner Jan Hendrik Deiman betreiben in den Niederlanden einen Milchviehbetrieb mit derzeit ca. 220 Kühen. Im Rahmen ihrer Bemühungen, die Nachhaltigkeit ihres Familienbetriebs zu erhöhen, investierten sie in vier Melkroboterboxen von GEA, die sie Anfang 2020 in Betrieb nahmen. „Wir sind beeindruckt vom sanften Melkvorgang dank der In-Liner Everything Technologie; die Eutergesundheit unserer Kühe hat sich erheblich verbessert, was sich u. a. in einer geringen Zellzahl widerspiegelt, die sich um ca. 100.000 bewegt – ein tolles Ergebnis!“, sagt Meering, die zudem einen deutlich gestiegenen Milchertrag infolge der erhöhten Melkfrequenz verzeichnet hat. „Für uns stellt die In-Liner Everything-Lösung eine mehr oder weniger unsichtbare Verbesserung mit zugleich enorm positiver Wirkung dar – von gesünderen, glücklicheren, produktiveren Kühen über geringere Betriebskosten bis hin zum reduzierten Chemikalieneinsatz. Dies ist die perfekte Grundlage für eine nachhaltige Milchproduktion.“

Schlüssel 4: Der Kunde ist König

Schlüssel 4: Der Kunde ist König

Jurgen Steen ist Sales Manager für automatische Melksysteme (AMS) bei GEA in Australien. „Die potenziellen Effizienzsteigerungen dank der automatischen Melksysteme sind enorm“, so Steen. „Die Kühe melken sich praktisch von selbst und auf die denkbar tierfreundlichste Weise. Die Melkfrequenz lässt sich an die jeweilige Kuh anpassen, die Fütterung ebenso, und es werden jede Menge Daten erfasst, die in das Herdenmanagement einfließen, speziell hinsichtlich der Tiergesundheit und Reproduktion.“ Steen betont jedoch, dass sich die Nachhaltigkeit nur dann steigern lässt, wenn die Auslegung eines automatischen Melksystems auf den jeweiligen Milchviehbetrieb zugeschnitten wird. „Ein wichtiger Teil meiner Arbeit besteht darin, unseren Verkaufsteams zu vermitteln, dass der Verkauf von GEA AMS-Lösungen mehr ist als nur der Verkauf einer Maschine“, erläutert er. „Vielmehr es Teil eines erheblich umfangreicheren Projekts, bei dem viele weitere Aspekte zu berücksichtigen sind.“ Steen spricht diesbezüglich von einer „AMS-Reise“, auf die sich GEA Kunden begeben, wenn sie auf automatische Melksysteme umsteigen. Die Unterstützung durch GEA beginnt damit, dass den Landwirtinnen und Landwirten eine lange Liste von Fragen gestellt wird, z.B. zur Herdengröße über die Rasse, zur Umgebung der Tiere, der Verfügbarkeit von Arbeitskräften auf dem Betrieb, den Fütterungssystemen oder zu den unternehmerischen Zielen des Milchviehbetriebs in 10 bis 15 Jahren. „Das Design des Systems bzw. der Lösung gemäß dieser Antworten ist der Schlüssel zu seiner Effektivität“, erläutert Steen. „Das Design fördert also nicht nur die Lösung – Das Design ist bereits eine Lösung!“

Milchviehhaltung in Down Under mit Herdengrößen zwischen 200 und 1200 Kühen geschieht in der Regel mit Weidehaltung.
Milchviehhaltung in Down Under mit Herdengrößen zwischen 200 und 1200 Kühen geschieht in der Regel mit Weidehaltung.

Steen, der sich derzeit auf Milchviehbetriebe in Australien und Neuseeland konzentriert, beschreibt die typischen Bedingungen in Down Under: Herdengrößen zwischen 200 und 1200 Kühen, milde Winter, saisonale Milchproduktion bei Weidehaltung sowie gleichzeitiges Kalben ganzer Kuhgruppen entsprechend der Jahreszeit mit Graswuchs. Und mit einer großen Anzahl von Kälbern fallen auch große Mengen an Kolostrum an. „Unter solchen Bedingungen müssen unsere Systeme in der Lage sein, zuverlässig eine sehr hohe Anzahl an Melkvorgängen zu bewältigen. Dies war für GEA sicherlich einer der Gründe für die Steigerung der Geschwindigkeit und Kapazität der automatischen Melksysteme mithilfe von Optimierungen wie etwa In-Liner Everything“, führt Steen aus. „Unsere neue AMS-Generation bedeutet für unsere Kunden eine enorme Erleichterung des Kolostrummelkens im großen Maßstab. Und die Erleichterung des Arbeitsalltags von Landwirtinnen und Landwirten ist insgesamt ein wichtiger Nachhaltigkeitsfaktor – inclusive des Aspekts der Arbeitsplatzattraktivität.“

Dynamische Milchproduktion – Teil 2

Für Gudrun Hauser, die bei GEA seit 2017 für den Bereich Herdenmanagement zuständig ist, steht und fällt die Nachhaltigkeit eines Betriebs mit der Vertrautheit mit dem jeweiligen Betrieb. „Letztlich möchte jeder Milchviehbetrieb auf die eine oder andere Art seine Nachhaltigkeit steigern“, ist sie überzeugt. „Die Grundfrage für jede Landwirtin und jeden Landwirt ist: Was genau möchte ich erreichen oder was möchte ich verbessern? Benötige ich mehr Zeit und Flexibilität? Möchte ich die Gesundheit meiner Herde verbessern? Werden meine Kühe optimal gefüttert, habe ich zu viele Futterverluste? Wir bieten deshalb zum frühestmöglichen Zeitpunkt eine Beratung gemeinsam mit Tierärzten und Futterexperten an, um nicht nur die Umgebung des Milchviehbetriebs, sondern auch den jeweiligen Landwirt und seine Herde kennenzulernen. Für Hauser ist ein automatisches Melksystem ein wichtiges Puzzlestück auf dem Weg zum Erfolg – als Teil einer ganzheitlichen Lösung. „Wenn wir alle Faktoren gut aufeinander abstimmen können – die Menschen, das Equipment, die Systeme und die Herde - dann kann ein Milchviehbetrieb sein Potenzial voll ausschöpfen und nachhaltig wirtschaften."

Schlüssel 5: Die Kuh ist Königin

Die heute verfügbaren digitalen Technologien sowie die Automatisierungstechnik versetzen GEA Ingenieure in die Lage, passende Lösungen nicht nur entsprechend der regionalen Bedingungen und betriebsspezifischen Anforderungen, sondern sogar auf jede einzelne Kuh maßzuschneidern. Steen zufolge werden hierbei neue Maßstäbe im Bereich der Milcherzeugung gesetzt. „Zum einen verfügen wir über Melkroboter, die sich an spezifische Eutergeometrien anpassen können, und die den Kühen damit ein komfortableres Melken ermöglichen. Und wir sehen immer wieder deutlich in der Praxis, was für einen Unterschied das machen kann. Die wahre Stärke, so Steen, liegt jedoch in den Daten, die von automatisierten Anlagen und Herdenmanagementsystemen wie DairyNet und CowScout erzeugt werden. „Meiner Ansicht nach besteht der Hauptaspekt einer nachhaltigen Milchproduktion in Zukunft im Herdenmanagement auf der Basis aussagekräftiger Daten zu jedem einzelnen Tier. So wird für jede Kuh eine eigene Melksequenz und ein individuelles Fütterungsprogramm erstellt. Auf diese Weise kann den spezifischen Ernährungsbedürfnissen der Kühe besser Rechnung getragen werden, was sich in der Gesundheit und folglich in einem langen, produktiven Leben jeder Kuh niederschlägt. Wir schöpfen also das volle Potential einer jeden Kuh aus, und dies auf eine sehr tierfreundliche, nachhaltige Weise.“

Selbst bei Herdengrößen, die in Zukunft vermutlich auf das Zwei- oder Dreifache ansteigen werden, sorgt die Leistung der Datenerfassung und Digitalisierung gemäß Steen dafür, dass Landwirtinnen und Landwirte sich tagtäglich individuell um jedes Tier kümmern können. Für Steen stellt die Nutzung von Daten in der Milchproduktion eine regelrechte „Goldgrube“ dar, deren Erschließung in der Branche aber gerade erst begonnen hat. „Der Einsatz dieser Daten wird Kühen zu einem deutlich längeren, gesünderen, glücklicheren und somit letzten Endes auch produktiveren Leben verhelfen.“ Darüber hinaus sieht Steen auch Potential in der Möglichkeit, entsprechende Rassen zu züchten und zu halten, die besser an regionale Bedingungen angepasst sind, Milch mit gezieltem Nährwertprofil produzieren oder gar spezielle Proteine liefern, die für die Gesundheit des Menschen unter anderen Gesichtspunkten von Vorteil sind.

„Für Landwirtinnen und Landwirte sind dies in der Tat schwierige, zugleich aber auch aufregende Zeiten mit vielen positiven Veränderungen und mit großem Potential für Innovationen in der Milchviehhaltung“, resümiert Steen. „Und wir wollen auf jeden Fall, dass sie damit Erfolg haben.“  

Sehen Sie sich hier das komplette Live-Interview mit allen GEA Expertinnen und Experten zur nachhaltigen Produktentwicklung bei GEA an.

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