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Frauen in der Landwirtschaft

Carina Nagl

Consultant for Herdmanagement, Österreich

Carina Nagl, Consultant for Herdmanagement, Austria

Was hat Sie zur Landwirtschaft bzw. zu landwirtschaftlichen Technologien geführt?

Ich bin auf einem kleinen, traditionell geführten Milchviehbetrieb in Oberösterreich aufgewachsen. Es gab eine Melkleitung, die Kühe wurden angebunden gehalten und das Futter wurde per Schubkarre von Hand verteilt. Schon von klein auf verbrachte ich viel Zeit im Stall und entwickelte eine große Leidenschaft für die Arbeit mit Milchkühen, die mich bis heute nicht losgelassen hat. Nach meiner Ausbildung zur landwirtschaftlichen Fachkraft studierte ich an der Universität für Bodenkultur in Wien und erwarb dort sowohl meinen Bachelor- als auch meinen Master-Abschluss in Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Tierwissenschaften. Während meines Studiums begann ich, als Futtermittelberaterin für ein namhaftes österreichisches Unternehmen zu arbeiten. In dieser Funktion beriet ich vor allem Milchviehbetriebe – darunter viele mit automatischen Melksystemen – sowie Betriebe aus anderen Bereichen der Tierhaltung, wie beispielsweise der Geflügel- und Schweinehaltung, beraten. Heute lebe ich auf dem Milchviehbetrieb der Familie meines Partners. Der Betrieb ist derzeit im Besitz meiner Schwiegereltern, die ihn auch führen. Im Jahr 2017 führte der Betrieb als einer der ersten in unserer Region ein automatisches Melksystem ein. Da ich eng in diesen Wandel eingebunden war, weckte dies mein starkes Interesse an dieser Technologie und den Möglichkeiten, die sie für die moderne Milchviehhaltung bietet. Meine langjährige Leidenschaft für die Milchwirtschaft führte schließlich dazu, dass ich meine berufliche Laufbahn ganz auf die Unterstützung von Milchviehbetrieben, insbesondere solchen mit automatischen Melksystemen, ausrichtete. So kam ich zu GEA Austria, wo ich die Position des ersten internen Herdenmanagers des Unternehmens übernahm.

Was macht Ihre Arbeit für Sie sinnvoll?

Meine Aufgabe als Herdenmanagerin ist sehr vielfältig und dynamisch. Ich trat die Stelle in einer besonders spannenden Phase an, da die Beratung im Bereich Herdenmanagement in Österreich zuvor hauptsächlich extern abgewickelt worden war. Seit meinem Einstieg bei GEA Austria haben wir diesen Service kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt. Es ist sehr befriedigend zu sehen, wie sich die Unterstützung im Herdenmanagement weiterentwickelt hat und wie wir unseren Kunden und Partnern nun wertvolle Dienstleistungen anbieten können. Ich arbeite mit Milchviehbetrieben in ganz Österreich zusammen. Das bringt eine große Bandbreite an Betriebsstrukturen und Managementsystemen mit sich – von kleinen Familienbetrieben mit etwa acht Kühen bis hin zu größeren Betrieben mit mehr als 300 Kühen. Dazu gehören Bio- und konventionelle Betriebe, Heu-, Milch- und Silagesysteme sowie manuelle und automatisierte Fütterungssysteme. Diese Vielfalt hält die Arbeit interessant und eröffnet eine sehr breite Perspektive. Was meine Arbeit besonders sinnvoll macht, ist zu sehen, wie Landwirte ihre Ziele erreichen. Wenn Landwirte mich anrufen oder eine Nachricht senden, um mir ihre Fortschritte mitzuteilen, ist das für mich genauso bereichernd, als würden diese Fortschritte auf meinem eigenen Betrieb erzielt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der starke Teamgeist innerhalb unserer Abteilung. Wir haben ein sehr kollegiales Arbeitsklima und unterstützen uns gegenseitig, wann immer es nötig ist. Die Zusammenarbeit als starkes Team macht die Arbeit noch angenehmer und ist einer der Gründe, warum ich immer gerne zur Arbeit komme.

Inwiefern trägt Ihre Tätigkeit zur Zukunft der Milchwirtschaft bei?

Modernes Herdenmanagement geht weit über die Arbeit mit einer Herdenmanagement-Software hinaus. Es umfasst alle Bereiche der Milchviehhaltung: von der Fütterung und Tiergesundheit über die Fruchtbarkeit und Melkleistung bis hin zur gesamten Betriebsorganisation. Letztendlich muss alles wie ein System ineinandergreifender Zahnräder zusammenwirken, um den langfristigen Erfolg eines Milchviehbetriebs zu sichern. Meine Aufgabe ist es, Landwirte bei diesem Prozess zu unterstützen. Ich helfe ihnen, Abstand von ihren täglichen Routinen zu gewinnen, die „Betriebsblindheit“ zu überwinden und Möglichkeiten zur weiteren Verbesserung ihres Managements zu erkennen. Die Kuh steht dabei stets im Mittelpunkt. Denn gesunde und zufriedene Kühe sind die Grundlage sowohl für das Tierwohl als auch für den wirtschaftlichen Erfolg. Dies gewinnt insbesondere dann an Bedeutung, wenn Betriebe automatische Melksysteme einführen oder ihre Herdengröße erheblich vergrößern. Wenn Betriebe von der Anbindehaltung auf Laufstallsysteme umstellen oder wenn sie von 20 auf 100 Kühe wachsen, können die Vielzahl neuer Abläufe und die Menge der verfügbaren Daten schnell überwältigend werden. In solchen Situationen helfe ich den Landwirten, klare Strategien zu entwickeln und den Überblick über die wichtigsten Informationen zu behalten. Mit dem zunehmenden Automatisierungsgrad in der Milchviehhaltung – beispielsweise durch automatische Melksysteme, Brunsterkennung, Lahmheits- oder BCS-Überwachung sowie automatisierte Fütterungssysteme – generieren Betriebe immer mehr Daten. Gleichzeitig nehmen die Herdengrößen und das Produktionsniveau häufig zu. Dadurch gewinnt die Beratung im Bereich Herdenmanagement zunehmend an Bedeutung. Landwirte benötigen einen zuverlässigen Partner, der praktische Erfahrung in der Landwirtschaft mit Datenanalyse verbinden kann und sie dabei unterstützt, fundierte Entscheidungen für die Zukunft ihrer Betriebe zu treffen.

Wie wird Ihrer Meinung nach die moderne Milchwirtschaft in zehn Jahren aussehen?

In zehn Jahren kann sich viel ändern – das haben wir im vergangenen Jahrzehnt bereits gesehen. Vor zehn Jahren nutzten in Österreich nur wenige Betriebe automatische Melksysteme, heute haben weitaus mehr diese Technologie eingeführt. Ich gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Während die Zahl der Milchviehbetriebe wahrscheinlich weiter zurückgehen wird, wird die Herdengröße pro Betrieb weiter zunehmen, um wirtschaftlich rentabel zu bleiben. Gleichzeitig wird der Grad der Automatisierung und Digitalisierung weiter steigen. Technologien wie automatische Melksysteme, sensorgestützte Überwachung und datengestützte Entscheidungshilfen werden dann weit verbreitet sein. Ich glaube auch, dass künstliche Intelligenz in der Milchviehhaltung eine wesentlich größere Rolle spielen und Landwirten dabei helfen wird, Daten zu interpretieren und Managemententscheidungen effizienter zu treffen. Ein weiterer wichtiger Faktor wird die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sein. Viele Landwirte wünschen sich mehr Flexibilität in ihrer täglichen Arbeit und Automatisierung kann dazu beitragen, dies zu erreichen. Da die Herdengrößen zunehmen und immer mehr Technologie in die Betriebe integriert wird, wird auch die Nachfrage nach Beratung im Bereich Herdenmanagement steigen. Landwirte benötigen nämlich Unterstützung, um diese Werkzeuge und die wachsende Datenmenge optimal zu nutzen. Wer weiß – vielleicht sehen wir in sieben oder zehn Jahren humanoide Roboter, die Landwirte bei ihren täglichen Aufgaben auf dem Hof unterstützen. Die Technologie entwickelt sich sehr schnell, und in relativ kurzer Zeit kann viel geschehen.

Welche Veränderung würden Sie sich für Frauen in der Landwirtschaft am meisten wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass es völlig normal wird, dass Frauen einen beruflichen Beitrag zur Landwirtschaft leisten. Die Branche ist nach wie vor männerdominiert. Manchmal sind Menschen immer noch überrascht, wenn eine Frau Fachwissen in Bereichen hat, die traditionell als „männliche Fachgebiete“ gelten, zum Beispiel Arbeit auf dem Feld, Fütterungsstrategien, Klauenpflege oder Melktechnik. Dabei haben Frauen schon immer eine wichtige Rolle in der täglichen Arbeit mit Tieren gespielt. Aufgaben wie das Melken und die Kälberbetreuung werden oft von Frauen übernommen. Studien zeigen sogar, dass von Frauen aufgezogene Kälber niedrigere Sterblichkeitsraten aufweisen können. Dies unterstreicht die ausgeprägten praktischen Fähigkeiten, die Liebe zum Detail und das Engagement, das Frauen in die Tierhaltung einbringen. Frauen in der Landwirtschaft sind weit mehr als nur für Haushaltsaufgaben oder die Verpflegung auf dem Hof zuständig. Bereits heute lassen sich positive Entwicklungen beobachten. Immer mehr Frauen sind in Bereichen wie der Futter- und Herdenmanagementberatung tätig und in Österreich arbeiten zudem mehrere Servicetechnikerinnen in unseren GEA Servicezentren. Ich möchte mehr Frauen ermutigen, auf ihr Fachwissen zu vertrauen und Chancen in der Landwirtschaft selbstbewusst zu ergreifen – sei es in der Betriebsführung, in technischen Funktionen oder bei alltäglichen Entscheidungen auf dem Hof.

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