Neue Zweikreis-Kälteanlage dient dem Ausfällen von Weinstein bei Minusgraden

Inführ – dieser Name steht für Qualitätssekt und nachhaltiges Wirtschaften. Seit über 150 Jahren stellt die Sektkellerei Karl Inführ KG in Klosterneuburg (Österreich) Schaumweine her. Zum Herstellungsprozess der mehrfach prämierten, im Charmatverfahren produzierten Erzeugnisse gehört – neben hervorragenden Weinen und Zutaten sowie der mindestens halbjährigen, zweistufigen Gärung – das Ausfällen von Weinstein. Der ist bei normaler Lagertemperatur flüssig, lässt sich aber durch Abkühlen ausfällen.

Altanlage durch moderne Technik abgelöst

Sektkellerei Inführ hat die Kältezentrale renoviert
Wie neu: Sektkellerei Inführ hat die Kältezentrale renoviert und zum Ausfällen von Weinstein eine neue Anlage mit 30 kW Leistung installieren lassen. (Bilder: Stefek)

Die zur Abscheidung des Weinsteins bei Inführ installierte Kältetechnik war in die Jahre gekommen, ihre Effizienz und Zuverlässigkeit nach heutigen Maßstäben nicht mehr ausreichend. Daher beschloss die Sektkellerei die Anschaffung einer neuen Kälteanlage für einen Teilbereich der Produktion. Diese unterstützt seit 2018 die Kühlung von mehr als einer halben Million Liter Sekt pro Jahr. Zur Ausfällung des Weinsteins bedarf es bei dieser Produktionsmenge einer Kälteanlage mit etwa 30 kW Kälteleistung. Sie arbeitet auf einen Kühlkreislauf mit Sole. Dieser mit einer Vorlauftemperatur von -12 °C betriebene Solekreis kühlt den Tankinhalt auf unter -5 °C – der zuvor flüssige Weinstein fällt bei den Minusgraden aus und sinkt auf den Boden des Tanks.

Bock HGX44e
Aufbau der Zweikreis-Kälteanlage mit den Verdichtern vom Typ GEA Bock HGX44e beim Anlagenbauer Stefek.

Damit dieser Prozess stets stattfinden kann, hat Anlagenbauer Mathias Richard Stefek in Wien eine Zweikreis-Anlage mit zwei Verdichtern des Typs GEA Bock HGX44e für synthetische Kältemittel umgesetzt. Jeder dieser Verdichter bietet ein Hubvolumen von 41,3 m³h (bei 50-Hz-Betrieb). Für die Wahl der Verdichter sprach – neben dem guten Preis/Leistungsverhältnis – die positive Erfahrung des Anlagenbauers mit dem Fabrikat. „Wir haben in den vergangenen Jahren etliche Bock-Verdichter installiert und betreuen sie im Service. Ihre Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit hat uns überzeugt“, lobt er und hebt neben der Effizienz die Laufruhe der Bock-Produkte hervor.

Zuverlässigkeit war wesentliches Auswahlkriterium

Das symmetrisch aufgebaute Zweikreis-System stellt bei Wartung oder Ausfall eines Kreises genügend Leistung bereit, um einen Notbetrieb aufrecht zu erhalten. (Bild: GEA Bock)
Das symmetrisch aufgebaute Zweikreis-System stellt bei Wartung oder Ausfall eines Kreises genügend Leistung bereit, um einen Notbetrieb aufrecht zu erhalten. (Bild: GEA Bock)

Die erwähnte Zuverlässigkeit war auch für die Sektkellerei Inführ eines der wichtigsten Kriterien. Es beeinflusste nicht nur die Wahl des Verdichterlieferanten, sondern ebenso den Aufbau der Anlage. „Durch das Verdichter-Duo und das Zweikreis-System kann die Anlage zum Beispiel auch bei Wartungsarbeiten an einer Maschine Kälte erzeugen“, berichtet Stefek.

Ein Verdichter reicht aus, um etwa 60 Prozent der maximal geforderten Leistung abzugeben und bei Spitzenlast den Notfallbetrieb zu gewährleisten. Der Produktionsprozess wird durch einen kurzfristigen Stillstand also nicht beeinträchtigt.“

Da die Firma Stefek auch für die Wartung verantwortlich zeichnet, wird diese bedarfsgerecht vorausgeplant und in Zeitfenster gelegt, in denen keine Spitzenlast zu erwarten ist. Dadurch konnten die Verdichter etwas kleiner ausfallen, als wäre das System auf hundertprozentige Redundanz im Spitzenlastfall ausgelegt. Das hat die Anlagenkosten positiv beeinflusst. Kostensenkend war zudem, dass der Wasserkreislauf zum Abführen der Verdichterabwärme und der Bestandskühlturm weiterverwendet werden konnten.

Anlagenkonzept ermöglicht lange Lebensdauer

Die Bock-Verdichter werden so gesteuert, dass beide etwa dieselben Jahresbetriebsstunden erreichen. Dies erlaubt eine hohe Lebensdauer der Gesamtanlage. Verschleißverringernd wirkt sich auch die Masse des Solekreislaufs aus, denn dank der Pufferwirkung des Kühlmediums müssen die Verdichter weniger Start-Stopp-Zyklen absolvieren.

Die beiden Verdichter hat Firma Stefek zusammen mit den anderen Komponenten auf einen gemeinsamen Rahmen montiert und in der eigenen Werkstatt auf Druckfestigkeit geprüft. Dadurch konnte die Anlage komplett in die Sektkellerei geliefert und schnell verrohrt werden. „So haben wir die Arbeiten vor Ort auf ein Minimum reduziert“, sagt Stefek. Auch der neue Schaltschrank wurde vorkonfektioniert, damit er sich schnell installieren ließ. Das gesamte Projekt hat das Team von Stefek in kurzer Zeit umgesetzt: Zwischen Auftragsvergabe und Installation der Kälteanlage lagen nur vier Wochen. Die abschließende Inbetriebnahme verlief reibungslos. „Das einzige, was wir nachträglich noch geändert haben, war die Sole-Durchflussmenge: Wir haben den Massenstrom an die Kälteleistung angepasst, um den Betrieb energieeffizienter zu gestalten“, berichtet Stefek. Seitdem läuft die Kälteanlage mit den Bock-Verdichtern – wie erwartet – ruhig und störungsfrei.

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