Die Milchviehwirtschaft muss sich an veränderte Gegebenheiten anpassen – nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch mit Blick auf Umweltaspekte, soziokulturelle Faktoren und den Verbraucher. Um diesen wichtigen und im Wandel befindlichen Agrarsektor zukunftssicher zu machen, braucht es mehr Resilienz auf allen Ebenen: beim Viehbestand, bei den landwirtschaftlichen Betrieben und in der Branche insgesamt.

Schätzungen zufolge konsumieren mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung regelmäßig Milch und Milchprodukte. Kein Wunder, denn schließlich sind Molkereierzeugnisse – ob aus Milch von Kühen, Büffeln, Ziegen, Schafen, Kamelen, Pferden oder Yaks – reich an Mikronährstoffen und spielen eine wichtige Rolle als günstiger Eiweiß-, Energie- und Fettlieferant. Entsprechend steigt der Gesamtverbrauch.

Doch die Erfolgsgeschichte rund um das gesunde Lebensmittel hat bekanntlich auch ihre Kehrseite. So sehen sich Milchviehhalter mit niedrigen Milchpreisen und hohen Futtermittelkosten, Personalmangel, sich verändernden Verbraucherbedürfnissen, zunehmender Regulierung und unberechenbaren Wetterverhältnissen konfrontiert. Die Landwirte müssen diese Faktoren mit der Notwendigkeit, profitabel zu arbeiten, in Einklang bringen, da sie ohne finanziellen Gewinn ihre Herden nicht unterhalten können. Laut etlichen Studien zur Milchviehhaltung ist sich die Forschung darin einig, dass die Milchindustrie durch verbesserte Fütterungsstrategien in Kombination mit optimiertem Güllemanagement sowie genetisch gut veranlagten Kühen widerstandsfähiger werden kann. Denn so verringert sie einerseits die Treibhausgasemissionen und steigert zum anderen bei reduziertem Futtermitteleinsatz die Milchproduktion. Durch den gezielten Einsatz von Automatisierungslösungen und Systemen für die Präzisionstierhaltung (Precision Livestock Farming, PLF) können Milcherzeuger wertvolle Zeit zurückgewinnen und gleichzeitig mithilfe von datenbasierten Erkenntnissen die Gesundheit, Leistung und Gesamteffizienz ihrer Herde verbessern.

Futtermittel – die Mischung macht’s

Futtermittel sind in Milchviehbetrieben oftmals der größte Kostenfaktor, doch heutzutage beeinflussen nicht nur die Landwirte die Fütterungsstrategien. Zwar spielt der Weidegang in vielen Betrieben nach wie vor eine Rolle, doch in Zeiten intensiver Tierhaltung und steigender Herdengrößen verbringen Kühe immer weniger Zeit auf der Weide. Allerdings lässt sich eine Trendwende beobachten, da das Tierwohl für die Verbraucher eine zunehmend wichtige Rolle spielt und folglich mehr Molkereien für Weidemilch mehr Geld auf den Tisch legen. Gut geführtes Weideland bietet diverse Vorteile, denn:

  • es versorgt die Kühe mit hochwertigem Futter und senkt die Kosten der Landwirte
  • es wird bei guter Bewirtschaftung widerstandsfähiger gegen Trockenperioden oder große Niederschlagsmengen
  • es trägt wirksam zur Anreicherung und Speicherung von Kohlenstoff und Kohlendioxid bei
GEA MixFeeder
Dank automatisierter Fütterungstechnologie von GEA kann das Bedienpersonal Zutaten und Mengen zusammenstellen und die Vorlagefrequenz am jeweiligen Endgerät planen.

Das South West Dairy Development Centre,(SWDDC) im britischen Somerset führt anhand von Systemen zur Präzisionslandwirtschaft vor, wie sich Weidebetrieb und automatisierte Fütterung in Kombination mit einem automatischen Melksystem realisieren lassen. Durch den Einsatz von hyperspektraler Bildgebung und Satellitendaten kann das SWDDC das Graswachstum in seinen umliegenden Paddocks überwachen und vorhersagen. Die Herde hat Zugang zu vier frischen Weideflächen pro Tag. Das funktioniert über ein Netzwerk von flexiblen Paddocks, die den Kuhfluss zwischen den Paddocks und den GEA Melkrobotern im Stall fördern. Gesteuert wird dieser Prozess durch ein GEA Herdenmanagement-System, das die Kommunikation zwischen den Selektionssystemen und der Tiererkennung sicherstellt.

Im Stall gibt automatisierte GEA Fütterungstechnologie mehrmals täglich genau dosierte Rationen aus und minimiert mit dem stets frischen Futter gleichzeitig die Abfallmenge. Durch die Automatisierung der Fütterung gewinnen die Mitarbeiter Zeit für andere Aufgaben, während gleichzeitig die Energiekosten gesenkt werden. Zudem ist dank des kompakten Designs weniger Fläche im Stall erforderlich.

Wie alle Wiederkäuer produzieren Kühe beim Verdauen Methan (CH4), eine Form von THG, denn in ihren Mägen sind Millionen von Mikroben aktiv, um die faserreiche Nahrung zu verarbeiten und zu vergären. Trotz geringerer Herdengrößen haben die CH4-Emissionen von Kühen in vielen Ländern zugenommen; daher ist die Reduzierung des Wärmeanstiegs im Pansen mit dem Ziel einer insgesamt besseren Futterverwertung bei Rindern von entscheidender Bedeutung. Milchwirtschaft und Forschung untersuchen die Ernährung und Verdauung von Kühen, um Möglichkeiten zur Verringerung der Methanproduktion zu finden. Einige Produkte wie methanreduzierende Futterzusätze kommen derzeit auf den Markt, doch die Wissenschaftler haben ihre Arbeit noch nicht abgeschlossen.

Forschungsfelder sind:

  • Einsatz von Pflanzen und Futtermischungen, die weniger CH4 im Pansen produzieren
  • Konditionierung des Pansen bei Kälbern mit dem Ziel geringerer Methanbildung
  • Auswahl von Kühen, die konstant weniger CH4 produzieren, mittels Züchtung und Genetik

Um die Treibhausgasemissionen aus der Milchviehhaltung in Summe substanziell zu reduzieren, muss sich vor allem in drei Bereichen etwas tun: Steigerung der Effizienz, Abscheidung und Sequestrierung von CO2 und stärkere Ausrichtung der Milcherzeugung auf die ökologische Kreislaufwirtschaft.“- Climate Change and the Global Dairy Cattle Sector, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, 2019

Verantwortungsvolles Güllemanagement

Gülle hat nicht nur viele Vorteile als Nährstofflieferant für Pflanzen und Böden und senkt dadurch den Bedarf an künstlichen Düngemitteln, sondern sie lässt sich auch in wertvolle Bestandteile trennen – etwa in Grauwasser und Einstreu – oder zur Energiegewinnung nutzen. Bei unsachgemäßer Handhabung hat Gülle jedoch negative Folgen für die Boden-, Wasser- und Luftqualität. In einigen Ländern gibt es daher verschärfte Vorschriften und hohe Strafen – und die Landwirte müssen gegebenenfalls sogar ihre Herden verkleinern. Wer heutzutage seinen Viehbestand erweitern oder einen großen Milchviehbetrieb aufbauen will, bekommt die Genehmigung dafür oftmals nur, wenn er eine Strategie für sein Güllemanagement vorweisen kann.

GEA Gülleausbringung
Das Güllemanagement-Portfolio von GEA umfasst Lösungen für das Entmisten, den Transport und das Ausbringen von Gülle sowie für die Gülletrennung und Einstreuproduktion.

Mit seinem verfahrenstechnischen Fachwissen und der unternehmenseigenen Erfahrung plant und realisiert GEA wertstiftende Güllemanagement-Lösungen, die den spezifischen Anforderungen der Milchviehhalter entsprechen und gleichzeitig die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Dazu gehören das Entmisten im Stall und der Transport der Gülle sowie ihre Ausbringung auf dem Feld ebenso wie die wirkungsvolle Trennung von flüssigen und festen Bestandteilen zwecks Recycling der Flüssigkeit und Produktion von Einstreumaterial.

Im Stall sorgt regelmäßiges Entmisten für einen guten Hygienestandard und beugt dadurch Infektions- und Klauenkrankheiten vor. Mit einem Gülleseparator lassen sich die flüssigen und festen Bestandteile voneinander trennen. Die Dünngülle kann nach der Aufbereitung auf dem Feld oder im Stall eingesetzt werden, während sich die Feststoffe als Einstreu verwenden oder verkaufen lassen. Je mehr Feststoffe entfernt werden, desto weniger landet am Ende in der Güllelagune, wodurch wiederum die Kosten für Aufrühren, Transport und Baggerarbeiten sinken. Durch Einsatz eines Dekanters können die Nährstoffe weiter isoliert werden, z. B. zur Herstellung von geklärter Gülle, die weitgehend phosphatfrei ist und als natürlicher Dünger bodenschonend ausgebracht werden kann.

Landwirte verfolgen weltweit das Ziel, den betrieblichen Nährstoffkreislauf zu optimieren. Dazu investieren viele Landwirte, darunter auch GEA Kunden, in Biogasanlagen mit nachgeschalteter Gärrestaufbereitung. Dies ermöglicht Ihnen, den dabei erzeugten elektrischen Strom, die Wärme sowie die verschiedenen Gärrestfraktionen gezielt inner- und außerbetrieblich zu verwerten. Um die sich hieraus ergebenden wirtschaftlichen Vorteile zu realisieren, benötigen die Milchviehbetriebe in den meisten Ländern allerdings finanzielle Unterstützung sowie Zugang zu einer Infrastruktur, die die Produktion und Nutzung von Biogas ermöglicht. Werden verschiedene betriebliche Reststoffe mit z.B. Lebensmittelabfällen aus anderen Betrieben kombiniert, so lassen sich Größenvorteile erzielen. Das führt dazu, dass zunehmend mehr Reststoffe verantwortungsvoll bewirtschaftet werden, und lokale sowie regionale Nährstoffkreisläufe geschlossen werden können.

Viele Landwirte, die Biogasanlagen in ihren Betrieb einbinden wollen, entscheiden sich für die hochwertigen und langlebigen Güllesysteme von GEA – sei es für den Transport der Gülle zur Anlage und zurück, für effizientes Aufrühren vor und nach der Vergärung oder auch für sämtliche Arbeitsschritte.“- Jeramy Sanford, Global Product Manager for Manure Equipment, GEA

Robuste und widerstandsfähige Milchkühe

Schon seit Jahrhunderten soll durch gezielte Auswahl, Zucht und Kreuzung die Leistung der Rinder und ihre Widerstandsfähigkeit gegen landschaftliche und klimatische Bedingungen verbessert werden. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch stand die Steigerung der Milchleistung klar im Vordergrund. Zwar sind Rinder wie alle Spezies in der Lage, sich zu einem gewissen Grad an Stressoren und Veränderungen anzupassen, dennoch werden die Zuchtstrategien derzeit neu überdacht. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei zusätzlichen Merkmalen wie Resistenz gegen Hitzestress und Krankheiten oder Anpassungen an Variationen bei Futter bzw. Futtermitteln, da sie die Produktivität und Fruchtbarkeit der Tiere beeinflussen.

Während der Laktation erhöht sich die Körpertemperatur der Kühe. Steigt dann auch noch die Umgebungstemperatur um 3 bis 4 Grad Celsius über den normalen Wert, kann es vermehrt zu hitzebedingten Komplikationen, wie geringerer Fruchtbarkeit und Appetitverlust kommen – mit Folgen für die Milchleistung. Auch die Anzahl somatischer Zellen und die Häufigkeit von Euterentzündungen nehmen in der warmen Jahreszeit oftmals zu. Eine gute Belüftung, eine ausreichende Wasserversorgung oder auch Sprinkleranlagen tragen dazu bei, dass die Kühe sich wohl fühlen und weniger anfällig für Infektionen oder Krankheiten sind.

Heute steht auch der Einsatz von Antibiotika vermehrt in der Diskussion. Viele Milchbauern verzichten inzwischen darauf, dennoch müssen Kühe weiterhin effektiv vor Erkrankungen wie Euterentzündungen geschützt werden. Auch hier spielen Genetik und Zucht verstärkt eine Rolle, da nach bestimmten Merkmalen ausgewählte Kühe weniger somatische Zellen aufweisen und somit seltener an Mastitis erkranken. GEA will im Rahmen großer angelegter Feldversuche validieren, wie sich etwaige Antibiotikagaben zum Trockenstellen minimieren lassen, ohne dass es zu einer Mastitis kommt. Frühere Versuche legen bereits nahe, dass ein gezieltes, kuhindividuelles Herunterfahren der Milchleistung vor dem Trockenstellen hier zum Erfolg beitragen kann. Genau das lässt sich zukünftig beispielsweise mit der GEA Herdenmanagement-Software steuern, die dann auch den idealen Abnahmezeitpunkt für das Melkzeug der Kuh entsprechend bestimmt.

Weniger Kosten und mehr Kuhgesundheit dank Präzisionstierhaltung (PLF)

Detaillierte Einblicke in das Verhalten, die Aktivität und den allgemeinen Gesundheitszustand von Kühen zu erhalten, ist mit dem Einsatz von PLF-Technologien heutzutage vergleichsweise einfach. Mithilfe dieser digitalen Werkzeuge können Milchviehhalter ihre Herde effektiver managen – etwa durch eine schnellere Diagnose und Behandlung der Kühe. Das spart Kosten und verbessert die Gesundheit und Produktivität der Tiere.

GEA Zellzahlsensor DairyMilk M6850
Der Zellzahlsensor DairyMilk M6850 von GEA: das weltweit erste Echtzeit-System für die effektive Früherkennung einer Mastitis pro Euterviertel.

Damit Landwirte den Eutergesundheitsstatus ihrer Tiere stets bestmöglich im Blick haben, und auch eine beginnende Euterentzündung, hat GEA den preisgekrönten Zellzahlsensor DairyMilk M6850 entwickelt – das weltweit erste Echtzeit-System zur Früherkennung einer Erkrankung während des Melkens an jeder einzelnen Zitze. Der Sensor, einfach zu installieren und wartungsarm, eignet sich für die GEA Melksysteme GEA DairyRobot R9500 und DairyProQ. Er verkürzt die Behandlung der Kühe und erhöht gleichzeitig ihre Leistung.

Mithilfe von Sensortechnik erfasst das GEA CowScout-Tag im Stall wie im Freien die Aktivität, die Fresszeiten und das Wiederkäuen von Kühen. Das Gerät überträgt die Daten in Echtzeit und kann Warnmeldungen generieren. So hilft es nicht nur, Gesundheitsstörungen zeitnah zu erkennen und zu behandeln, sondern informiert auch über den idealen Besamungszeitpunkt. „Landwirte wollen ihre Betriebe und Prozesse ortsunabhängig möglichst effizient überwachen und steuern. Darin unterstützen wir sie, indem wir unsere Herdenmanagement-Tools und -Plattformen immer wieder unter die Lupe nehmen und verbessern, zusätzliche Daten integrieren und ihre Anwendung einfacher machen“, so Dr. Beate Maassen-Francke, Produktmanagerin Farm Management Software bei GEA.

In den vergangenen zehn Jahren wurden in Landwirtschaftsbetrieben viele Daten gesammelt. Im nächsten Schritt sollen die gewonnenen Daten unter Einsatz von KI stärker integriert werden, damit Milchviehhalter mit Blick auf das Wohlergehen der Kühe und möglichst effiziente Abläufe noch fundiertere Entscheidungen treffen können.“- Dr. Beate Maassen-Francke, Produktmanagerin Farm Management Software bei GEA

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