Seit Ende 2018 ist die hochmoderne Produktionsstätte für das Flow-Components-Geschäft von GEA in Suzhou, China, im Betrieb. Dass das neue Werk bereits reibungslos läuft, ist der sorgfältigen Planung und dem umsichtigen Projektmanagement durch GEA zu verdanken. Der Standort zeichnet sich durch eine höhere Kapazität und Flexibilität aus und bedient GEA Kunden in China und dem weiteren asiatisch-pazifischen Raum.

Im Interview erklärt Sören de Boon, Head of Supply Chain & Production bei GEA in Suzhou, weshalb GEA sich für den Bau der neuen Produktionsanlage entschieden hat und wie diese Maßnahme zur Optimierung des weltweiten Fertigungsnetzwerks von GEA beiträgt. Wir schauen gemeinsam hinter die Kulissen, wie das Werk lokale und regionale Kunden unterstützt und gleichzeitig einen attraktiven Arbeitsplatz in einer der lebenswertesten Städte Chinas bietet.

Frage: Welche GEA Aktivitäten wurden von Shanghai nach Suzhou verlagert und warum?

The new facility in Suzhou, with its 12,000 square meter production and 1,320 square meter office space.

Antwort: Im Zuge des Roll-outs der globalen Optimierungsstrategie des Produktionsnetzwerks fiel im Januar 2019 der Startschuss für das Projekt „Sunrise“ und hiermit ebenfalls der Bauarbeiten für den neuen Standort von GEA Flow Components in Suzhou. Nach der Fertigstellung und rechtlichen Übernahme des Gebäudes haben wir die gesamte mechanische Bearbeitung und die Montage von hygienischen Ventilen und Pumpen sowie die damit verbundenen Supply-Chain-Aktivitäten von Shanghai nach Suzhou verlagert. Das war im November 2018.

Ausschlaggebend für dieses Projekt war die Tatsache, dass unsere Flow-Components-Produktion zuvor in einer angemieteten Lokalität in Shanghai untergebracht war. Unser ursprüngliches Gebäude wurde abgerissen, die neue dreigeschossige Alternative erwies sich aus Produktions- und Logistikperspektive als ungeeignet für uns. Und dass wir mit Kapazitätsengpässen rechnen müssten, zeichnete sich schon Anfang 2018 ab. Das Risiko erhöhte sich, dass sich diese lokalen Gegebenheiten negativ auf unser Geschäft auswirken könnten. Außerdem verfolgte GEA zeitgleich das Ziel, sein weltweites Produktionsnetzwerk zu optimieren. Im Zuge dessen war die Verlagerung dieser Aktivitäten nach Suzhou also ein wichtiger Schritt: GEA möchte in China mit zwei multifunktionalen Standorten vertreten sein, an denen mehr als nur ein Produkttyp gefertigt wird – und zwar in Tianjin und in Suzhou.

Das neue Werk in Suzhou hat eine Fläche von 12.000 Quadratmeter für die Produktion und 1.320 Quadratmeter für Büros. Es wurde nach unseren Vorgaben gebaut und mit modernsten Materialien und Versorgungstechnologien ausgestattet, damit wir den Energieverbrauch und die Gesamtbetriebskosten verringern können. Die Fabrik steht direkt neben dem Kompressorenwerk von GEA Bock, das für unser Geschäft mit Komponenten für Kühlanlagen sehr wichtig ist. Deshalb sprechen wir auch von einem multifunktionalen Standort. Unsere neue Heimat ist der Suzhou Industrial Park (SIP), einer der wirtschaftlich erfolgreichsten Industrieparks in China, wenn nicht sogar weltweit. Der SIP ist für seine hochmoderne Infrastruktur bekannt – ein ideales Umfeld, um weiteres Geschäft zu entwickeln.

Wenn man in China lebt, stellt man schnell fest, wie weit das Land unter anderem in puncto Infrastruktur, öffentliche Verkehrsmittel, Digitalisierung und E-Mobilität voraus ist – wirklich beeindruckend.– Soeren de Boon, Head of Supply Chain & Production bei GEA in Suzhou, China

Frage: Wie wirkt sich der Umzug nach Suzhou auf den Manufacturing Footprint von GEA in China insgesamt aus? Welche Effizienzsteigerungen erzielt GEA dadurch?

Antwort: Durch diesen Schritt sind wir jetzt in der Komponenten-Fertigung besser aufgestellt als früher in Shanghai. Weil wir im SIP eine multifunktionale Produktionsstätte unterhalten, können wir Synergien heben und einige Funktionen konsolidieren. Gleiches gilt für unseren Standort Tianjin, wo GEA unter anderem Separatoren, Dekanter und Walzmühlen zur Pastaherstellung baut.

In Suzhou lassen sich viele unserer administrativen Funktionen straffen – darunter das Facility-Management, Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit und Umweltschutz, das Lean-Management, das Supply-Chain-Management und die IT. Unsere Mitarbeiter bei GEA Flow Components, in der Produktion von Bock sowie mit Supply-Chain-Aufgaben sind zum Großteil bereichsübergreifend aufgestellt. Folglich können wir flexibel reagieren, wenn einmal bei den Komponenten für die Flüssigkeitsverarbeitung oder bei den Verdichtern die Arbeitsauslastung schwanken sollte. Als Eigentümer des Werks haben wir es in der Hand, unsere Kostenstruktur mittel- bis langfristig zu optimieren.

Die neue Fabrik in Suzhou war im Großen und Ganzen ein Greenfield-Projekt. Deshalb hat GEA die Gelegenheit genutzt, um in energiesparende Baustoffe und Versorgungstechnik zu investieren. Dazu gehörten unter anderem die Installation von LED-Lichttechnik mit individueller Steuerung für die Produktionshalle, eine solare Warmwasseraufbereitung und auch Wärmetauscher für die Heizungs-, Lüftungs- und Klima-Anlage in den Büroräumen.

Frage: Konnten Sie denn Mitarbeiter aus Shanghai mit nach Suzhou nehmen?

Roboteranlage für die Fertigung von Flanschanschlüssen am GEA Standort für Flow Components in Suzhou, China.
Roboteranlage für die Fertigung von Flanschanschlüssen am GEA Standort für Flow Components in Suzhou, China.

Antwort: Wir konnten ungefähr die Hälfte der Belegschaft halten, sowohl Büro- als auch Produktionsmitarbeiter. Das ist mehr, als wir erwartet hatten. Denn es ist nicht ungewöhnlich, bei einem Umzug von einer „Tier-1-Stadt“ in eine „Tier-2“- oder „Tier-3-Stadt“, einen Großteil der Mitarbeiter zu verlieren. Die Chinesen ordnen ihre Ballungszentren nach sogenannten „Tiers“ ein, das entspricht ungefähr dem Grad der Lebenswertigkeit. Ich denke, das spricht für GEA und unsere Unternehmenskultur, vor allem aber für unsere langjährigen Mitarbeiter und das starke mittlere Management. Für die Kollegen, die beim Unternehmen bleiben, aber ihren Wohnort nicht wechseln wollten, beträgt die Fahrzeit circa 30 Minuten mit dem Schnellzug und gut eine Stunde mit dem Auto. Das gibt ihnen eine gewisse Flexibilität.

Frage: Was sind die Hauptvorteile für die GEA Mitarbeiter am neuen Standort?

Antwort: Wir bieten im Werk in Suzhou eine professionelle, zeitgemäße und hochwertige Arbeitsumgebung mit modernster digitaler Infrastruktur. Es gibt Großraum- und Einzelbüros, voll ausgestattete Besprechungsräume und Schulungsräume.

Der klimatisierte Produktionsbereich wurde speziell für die Herstellung von Pumpen und Ventilen konzipiert und gebaut. Materialien und Maschinen sind direkt zugänglich, der gesamte Aufbau basiert im Wesentlichen auf Lean-Prinzipien. So tragen kontinuierliches Lernen und Methoden wie Shop-Floor-Management, Wertstromanalyse und Wertstromdesign dazu bei, die Prozesse zu optimieren und Verschwendung zu minimieren – wodurch wir wiederum effizienter werden, schneller liefern und Kosten senken können.

In Mieträumlichkeiten muss man häufig Kompromisse eingehen, was sich besonders auf die Produktion auswirkt. Unser neues Werk für die Flow Components entspricht genau unseren Anforderungen, weil wir unsere Maschinen, Belegschaft, Materialien und die Informationsprozesse schon in der Planungsphase berücksichtigen konnten. – Soeren de Boon, Head of Supply Chain & Production bei GEA in Suzhou, China

Frage: In den Jahren 2012 bis 2014 haben Sie auch den Bau und die Eröffnung des GEA Produktionsstandorts für Flow Components im indischen Bangalore verantwortet. Kooperieren Suzhou und Bangalore miteinander?

Antwort: Unsere Niederlassung in Bangalore bedient in erster Linie den indischen Markt, aber auch einige benachbarte Länder. Suzhou fungiert unter anderem als interner Lieferant für Bangalore – das gilt sowohl für die die Flow Components als auch für die Bock-Kompressoren. Weil beide Standorte teils die gleichen Produkte herstellen, stehen sie natürlich auch in regelmäßigem Kontakt. Unsere Mitarbeiter tauschen sich regelmäßig aus und teilen ihre Best Practice miteinander. So profitieren beide Seiten.

Natürlich gibt es in puncto Zusammenarbeit noch Verbesserungspotenzial, etwa mit Blick auf Arbeitsgruppen, den globalen Einkauf und die Produktionsoptimierung. Diesen Punkten werden wir uns in Zukunft noch intensiver widmen.

Die Local-for-Local-Strategie – also die Produktion vor Ort für den lokalen Markt – ist der einzige Weg, um unsere regionalen Kunden wirklich zu verstehen und auf ihre Bedürfnisse bestmöglich einzugehen. – Soeren de Boon, Head of Supply Chain & Production bei GEA in Suzhou, China

Frage: Große Unternehmen gelten oft als schwerfällig, doch Sie haben mit diesem Projekt einige Maßstäbe gesetzt. Welche waren das?

Antwort: Ob wir Maßstäbe gesetzt haben, weiß ich nicht, aber uns ist die Produktionsverlagerung wirklich reibungslos gelungen. Zum Beispiel waren wir sehr schnell und immer im Plan – das ist für so ein Großprojekt nicht selbstverständlich: Die Bauarbeiten liefen seit November 2017 genau ein Jahr – wie geplant. Der Umzug von Shanghai nach Suzhou ging im November 2018 über die Bühne. Nach nicht einmal zwei Wochen war die gesamte Produktion wieder in vollem Gange. Die Serienfertigung nahm sogar nach nur sieben Tagen wieder den Betrieb auf. Wir haben das Projekt budget- und termingerecht realisiert – und das bei einer Qualität, die nicht nur unseren eigenen sehr hohen Standards entspricht. Wir erfüllen auch die regionalen und internationalen Sicherheits- und Umweltvorschriften.

Solche Großprojekte durchzubringen, fordert große internationale Unternehmen durchaus heraus – insbesondere dann, wenn die Teammitglieder aus verschiedenen Ländern, Organisationseinheiten und von unterschiedlichen Produktionsstandorten kommen. Ich wünsche mir natürlich, dass das Projekt Sunrise bei GEA als Benchmark für künftige strategische Projekte im Fertigungsnetzwerk dient. Soweit ich weiß, werden unsere Ansätze und Methodiken bereits an anderer Stelle bei GEA übernommen und umgesetzt.

Das Sunrise-Projektteam und auch ich persönlich unterstützen anderen GEA Teams aktiv. Wir geben das Wissen, das wir uns in diesem mehrjährigen Prozess angeeignet haben, gerne an die Kollegen weiter. Darauf dürfen wir stolz sein.

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