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Milchfaser

Kleopatra, die Königin des Nils, soll in Milch gebadet haben, um ihre Haut sanft und schön zu halten. Den meisten von uns reicht es, sie zu trinken. Doch anscheinend kann die äußere Anwendung von Milch in verschiedenen Formen nützlich sein – etwa zur Linderung von Insektenstichen oder eines Sonnenbrands.

Da ist die Vorstellung, sie zu tragen, nicht mehr weit. Glaubt man den Prognosen, sind Kleider aus Milch der neue Megatrend – vor allem wegen ihrer Umweltfreundlichkeit.

Was genau ist Milchfaser? Sie entsteht, indem man dehydrierte Milch entrahmt und ein bei der Käseherstellung verwendetes Protein namens Kasein extrahiert, das auch als Bindemittel in Kleb- und Farbstoffen zum Einsatz kommt. Sodann wird das Kasein chemisch mit Akrylnitril (dem Hauptbestandteil der Akrylfaser) verbunden und zur Faser gesponnen.

Das erste Mal

Milch wurde in den späten 30er-Jahren erstmals in italien und Amerika zur Herstellung von Kleidern verwendet. Als Alternative zur im Zweiten Weltkrieg dringend benötigten Wolle wurde sie im Allgemeinen mit anderen Fasern gemischt. Da sie aber weniger fest und elastisch als Wolle war, wurde sie von den beliebten neuen Synthetikstoffen wie Nylon überholt.

Heute bekommt die Milchfaser dank verbesserter Techniken und einer veränderten Einstellung zur Natur eine zweite Chance. Wie andere bio-synthetische Garne (etwa Bambus, Banane und Soja) ist sie mottensicher. Sie glänzt, ist luxuriös wie Seide und fester als zuvor.

Königin der Milchfaser

In Deutschland hat die Milchfaser eine ungewöhnliche Vorreiterin. Nach der Lektüre eines Artikels war das Interesse der 28-jährigen Mikrobiologin Anke Domaske geweckt. Sie gründete zwei Unternehmen: Qmilch zur Herstellung der Faser und MCC, ein Milchfaser-Modelabel.

Wer Anke besser kennenlernt, versteht auch die Hintergründe. Ihre Urgroßmutter war eine Modedesignerin in Ostdeutschland – zu einer Zeit, in der jeder seine Kleidung selbst nähte. Und Ankes wissenschaftliche Herkunft ließ sie auf die Vorzüge der Faser aufmerksam werden. Diese hat, wie die menschliche Haut, einen ph-Wert von 6,8 und enthält 18 Aminosäuren; deshalb ist sie antiallergisch und antibakteriell. Sie ist außerdem umweltfreundlich, denn verwendet wird nur genussuntaugliche Milch, die sonst weggeschüttet würde.

Bahnbrechende Techniken

Doch Anke produziert nicht einfach nur Milchfaser – sie macht dies auf eine ganz neue Art und Weise. nach zweijähriger Forschungsarbeit gemeinsam mit dem Faserinstitut Bremen kann Qmilch als erstes Unternehmen die Faser ohne Einsatz von Chemikalien herstellen. Da somit das Nassschleudern zum Entfernen der Chemikalien entfällt, wird viel weniger Wasser verbraucht. Das Verfahren ist daher nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch viel schneller und ökonomischer als das der Konkurrenten.

Ihr Herstellungsrezept ist zwar geheim, doch Anke verrät: „Zur Herstellung von einem Kilo Fasern benötigen andere Produzenten etwa 20.000 Liter Wasser. Der Prozess kann bis zu 60 Stunden dauern. Wir dagegen produzieren 27 Kilo pro Stunde und verbrauchen nur zwei Liter Wasser. Unser Ziel bis Mai 2012 sind 70 Kilo in der Stunde.“

Von der Faser zur Mode

Während Qmilch die Produktion forciert, entwickelt sich Ankes Modelabel MCC ebenfalls prächtig. Sie verkauft ihre Kollektion – in der Hauptsache Kleider aus mindestens 30 Prozent Milchfaser – an Geschäfte in der ganzen Welt. Ihre immer zahlreicheren Privatkunden lassen sich von ihr zu den Vorteilen der Milchfaser beraten und bestellen maßgeschneiderte Kleider. „Die Faser trägt sich sehr sanft und kratzt nicht so wie Wolle“, sagt Anke. „Und sie ist sehr leicht. Manche Kunden sagen, es sei ein Gefühl, als hätte man gar nichts an!“

Zweifellos lässt sich Milchfaser auch für andere Märkte wie Bettwäsche, Unterwäsche, Sportkleidung, Möbelbezüge und Autopolster nutzen. Dank ihrer antiallergischen und antibakteriellen Eigenschaften eignet sie sich außerdem für medizinische Textilien. Die größte Herausforderung besteht darin, in der Produktion mit der schnell wachsenden Beliebtheit der Faser Schritt zu halten. Anke hofft, bis Ende 2012 eine neue Fabrik zu bauen, 560 Tonnen jährlich zu produzieren und die Zahl ihrer Mitarbeiter von sechs auf 20 zu erhöhen.

GEA und Kasein

Ungefähr ein Viertel der weltweit produzierten Milch läuft durch Geräte von Unternehmen der GEA Group – etwa bei der Verarbeitung verschiedener Milchprodukte wie Kasein. GEA Farm Technologies ist weltweit führender Anbieter von Lösungen und Systemen zur Milchproduktion und Viehhaltung. Angeboten wird ein Gesamtpaket – von der Planung des Stalles und Entwicklung des Geschäftskonzepts bis hin zum täglichen Herden- und Hofmanagement.

GEA Mechanical Equipment stellt Prozesslinien zur Gewinnung von Kasein durch Säure- oder Labfällung bereit. Bei den Maschinen handelt es sich um Zentrifugal-Separatoren zur Entrahmung und Entkeimung von Milch und Dekanter zur Trennung von Kasein und Molke. Hierbei kommen EcoFlexgedichtete Plattenwärmeaustauscher von GEA Heat Exchangers in den verschiedenen Prozessstufen zum Einsatz, wie z. B. der Milchpasteurisation, der Magermilchanwärmung sowie bei der regenerativen Molkenrückkühlung. Auch in der nachfolgenden Molkenverarbeitung finden sie auf dem Gebiet der Molkenpasteurisation ihre Anwendung.

Weiterhin konstruiert, produziert und installiert GEA Heat Exchangers für allgemeine Kühlprozesse eine breite Palette von Kühltürmen für Fabriken, in denen Milchprodukte hergestellt werden.

GEA Process Engineering steuert ebenfalls Geräte zur Produktion von Kasein bei, etwa Sprühtrockner von GEA Niro, Ringtrockner von GEA Barr-Rosin und Anlagen von GEA Filtration.

GEA Refrigeration Technologies bietet innovative Kältetechnik für eine Vielzahl von Anwendungen in der Nahrungsmittelindustrie – darunter zum Beispiel die Lagerung, der Transport und die Weiterverarbeitung verschiedenster Molkereiprodukte.

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23.07.2014
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